Freitag, 7. Januar 2022

Blog 19

16.12.21 || Letzte Sitzung des Jahres, weil vor Weihnachten auch 'Kerzerl-Sitzung' genannt.  Die Stimmung ist entspannt, die Themen trotzdem wichtig: Haushalt 2022, Fernwärme, Abriss und Neubau Halle K, Bürgerforums-Anträge zum Schneeräumen und besserer Unterstützung des Gewerbes beim Klimaschutz.

Haushalt 2022 und mittelfristige Finanzplanung

Das Gesamtvolumen des Haushalts (Vermögens- und Verwaltungshaushalt) steigt auf knapp  50 Millionen Euro . Die größten Einzelposten bilden Personalkosten (8,5 Mio. €) und die Kreisumlage (7,7 Mio. €). Zur Finanzierung werden Rücklagen aufgelöst (von 10,3 Mio. EUR 2021 auf 6,1 Mio. 2022), Grundstücke verkauft und Kredite aufgenommen (für rund 7 Mio. EUR). Damit steigt die pro-Kopf-Verschuldung von 400 EUR im Jahr 2018 auf insgesamt bei 2.700 EUR in 2022. Während die Fraktionen von CSU, Grüne, SPD und FDP Haushalt und Finanzplanung vorbehaltlos befürworten und die Investitionen als Chance für die Gemeinde sehen, lehnten Andi Schlick und ich die mittelfristige Planung ab, weil dort unter anderem wichtige Zukunftsprojekte fehlen und unseres Erachtens mit zu niedrigen Ansätzen aufgeführt sind. Andi Schlick geht noch einen Schritt weiter und lehnt auch den Haushalt ab, weil er die vorgesehenen Investitionen im Sinne einer strategisch sinnvollen Ortsentwicklung für verfehlt hält. Wichtige Entscheidungen, die im Bürgerdialog 2018 diskutiert und gemeinsam beschlossen wurden, fallen - auch aus der prekären finanziellen Situation heraus – jetzt „hinten runter“.

Meine Meinung dazu: Der Haushalt ist im Korsett der Realschulbebauung und der kostenintensiven Entscheidungen der Vergangenheit (beispielsweise Sportcampus mit Schwimmbad). Die entstandenen Mehrkosten (!) der letzten beiden Jahre (Feuerwehr, Rathaus-Sanierung und Am Hölzl zusammen rund 2,2 Mio EUR) verschärfen die Lage zusätzlich. Die pro-Kopf-Verschuldung steigt rasant und beträgt mittlerweile ein Vielfaches beispielsweise unserer Nachbargemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn (2021: 470 EUR). Da darf man schon zu Recht fragen, wie das kommt und was davon der Gemeinde - vor allem unseren Bürgern - direkt zu Gute kommt (haben wir doch noch nicht einmal ein 'Bürgerhaus', geschweige denn Entlastungen für unsere Straßen). Hohenbrunn wird in den nächsten Jahren jedenfalls "keine großen Sprünge mehr machen können". Von dieser Aussage aus dem Haupt- und Finanzausschuss wollte der Bürgermeister in der Gemeinderatssitzung allerdings nichts mehr wissen. 

Fernwärmeanschluss für Gemeinde-Liegenschaften

Ein Gutachten (vorgestellt und diskutiert schon im Umwelt- und Klimaschutzausschuss) ergibt, dass die Fernwärme-Versorgung von Grundschule, Lehrerwohnhaus, Kinderwelt und Feuerwehrhaus durch die Stadtwerke München im Vergleich zu anderen Lösungen (z.B. auch einer eigenständigen Quartierslösung) die wirtschaftlich und ökologisch günstigste Alternative darstellt. Daher erfolgte der Vergabebeschluss mit nur einer Gegenstimme (Peter Berger plädierte trotzdem für eine Selbstversorgung und den Aufbau eines eigenen Verteilnetzes). Unsere Anregung, dass die Gemeinde hier nochmals aktiv wird und eine qualifizierte Nachfrage-Bündelung  (analog zur Glasfaser) durchführt, fand breite Unterstützung. Denn wenn sich genügend Interessenten finden, sinken die Kosten für einen Hausanschluss dramatisch. Außerdem könnte es in Zukunft auch Fördergelder dafür geben. 

Meine Meinung dazu: Hier lohnt es sich auf alle Fälle, nochmals in die Offensive zu gehen. Viele Bürgerinnen und Bürger stehen vor einem Heizungsaustausch, und die Fernwärme ist eine interessante und CO2-neutrale Alternative.

Abriss und Neubau Stadl und Halle K 

Im Zuge der Umsetzung des Bebauungsplans 82 ("Gewerbepark Hohenbrunn") muss 2022 eine Erschließung zu den veräußerten Gewerbegrundstücken erfolgen. Stadel und Halle K sind im Weg und müssen daher abgerissen/versetzt werden. Allerdings erschienen dem Gemeinderat die vorgestellten Kosten von rund 1,8 Mio. EUR viel zu hoch. Selbst wenn man davon ausgeht, dass hier eine langfristig tragfähige Lösung für Bürgerveranstaltungen entstehen soll mit Heizung und Sanitäranlagen. Ins Spiel gebracht wurde daher eine gesplittete Lösung:  Ein Stadl als Standard- Zimmermannswerk und lediglich der aufwändigeren Kopfbau als Architektenbau. Die Architekten-Beauftragung generell wurde von der Verwaltung mit Hinweis auf Haftungsfragen verteidigt. Nach langer Diskussion kam es zu einem zweigeteilten Beschluss: Beauftragung der Architekten nur für Leistungsphase 1-3 (bis zur Entwurfsplanung) ohne Zusage für Folgebeauftragung, gleichzeitig Nachverhandlung, um durch andere Bauausführung zu deutlich geringeren Kosten zu kommen. Diese Beschlüsse wurden einstimmig angenommen.

Meine Meinung dazu: Ein vernünftiger Ersatz für den Stadl und die Halle K ist bitter notwendig. Allerdings wurden projektierte Kosten in der Vergangenheit immer deutlich überschritten (siehe oben), da ist Vorsicht durchaus angebracht.

 Anträge zum Schneeräumen und zur Unterstützung des Gewerbes

Gerade nach starken Schneefällen bleiben zusammengeschobene Schneehaufen lange liegen. Das erschwert das Rangieren, blockiert Parkplätze, viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich hier eine Lösung. Daher haben wir vom Bürgerforum beantragt, dass nach starken Schneefällen in engen Straßen die Schneehaufen zu Deponieorten abtransportiert werden. Die Verwaltung argumentierte, dass das aus Kostengründen (Gerät, Personal) nicht leistbar sei, der Antrag wurde leider mit 2:18 abgelehnt. Zum zweiten Antrag: Mit 53% Anteil beim Strom und 35% bei der Wärme liegt beim Gewerbe ein großer Hebel zur Erreichung der Umwelt- und Klimaschutzziele. Leider wurden Fördermittel im abgelaufenen Jahr nur knapp zur Hälfte abgerufen. Das liegt an der Komplexität und Unübersichtlichkeit der unterschiedlichen Fördermöglichkeiten, einer zu geringen Höhe und vielleicht auch daran, dass Klimaschutz bis dato nicht die Priorität beim Gewerbe hat. Um die Umsetzung zu beschleunigen forderten wir ein aktiveres Zugehen der Verwaltung auf die einzelnen Betriebe, ggf. auch eine Aufstockung der Fördergelder. Nach Diskussion wurde das Thema an den Umwelt- und Klimaschutzausschuss verwiesen.

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Herzlichst Ihr 

Manfred Haucke

PS: Ausführliche Informationen zu den Gemeinderatssitzungen finden Sie auf der Website des Bürgerforums

Donnerstag, 25. November 2021

Blog 18

18.11.21 || Auch im Gemeinderat zeigt sich die ernstere Corona-Lage: Es liegen wieder Schnelltests beim Einlass aus, in der Turnhalle wird - trotz sinkender Temperaturen - regelmäßig gelüftet. Die Themen auf der Tagesordnung: Café im neuen Sportcampus, Ganztagesbetreuung an den Grundschulen und Änderung des Flächennutzungsplans.

Café im neuen Sportcampus - Weiter so oder Neuanfang?

Das Café im alten Hallenbad war an das Integrationswerk ANS Werk der Bayerischen Landesschule für Körperbehinderte e.V. verpachtet und wurde pandemiebedingt 2021 beendet. Nun steht mit Beginn des Sportbetriebs auch die Wiedereröffnung des Cafés an. 2 Konzepte liegen vor:  Zum einen die bisherigen Betreiber, das ANS Werk, zum anderen das Konzept von Mario Jugenheimer, derzeit Küchenchef des Kadu in Ottobrunn, und Thomas Langwieder, der im Bereich der Inklusion tätig ist. Beide wohnen im nahen Umfeld und würden sich für das Café auch unternehmerisch engagieren. Beim Vergleich beider Konzepte wurde deutlich: Einmal die - mehr oder weniger aufgefrischte - Fortführung, wie es bisher war mit dem Schwerpunkt auf Ausbildung und Vermittlung behinderter Jugendlicher. Dem gegenüber ein Neuanfang mit innovativen Ideen (bio-regionale Küche, take-away und re-bowl, abends Begegnungsstätte jenseits von Sportbetrieb) und Inklusion behinderter Mitarbeiter. Die Abstimmung darüber fand nicht-öffentlich statt.

Meine Meinung dazu: Das war letztlich die Abwägung 'Inklusion mit Café' oder 'Café mit Inklusion'. Da Riemerling dringend eine Möglichkeit zur Begegnung braucht, unterstütze ich diesen zukunftsweisenderen Vorschlag.

Ausschreibung für Angebot Ganztagesschule - endlich!

Im Gesetzentwurf der Bundesregierung ist ab 2025 ein Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung in der Schule vorgesehen. Vor diesem Hintergrund soll nun an der Grundschule ein kooperatives Ganztagesmodell eingeführt werden. Der Vorschlag der Verwaltung, hier in die Ausschreibung zu gehen, fand daher die ungeteilte Zustimmung des Gemeinderats. 

Meine Meinung dazu: Besser spät als nie. Bürgermeister und Verwaltung erfüllen damit letztlich auch eine Forderung, die Eltern der Grundschule bereits 2017 in einem Brief an den 1. Bürgermeister gestellt hatten.

Änderung des Flächennutzungsplans - Stand der Diskussionen?

Die 14. Änderung des Flächennutzungsplans war als Vorentwurf gekennzeichnet, und so stellten sich naturgemäß einige Fragen: Warum war die linke (westliche) Seite der Hohenbrunner Straße diesmal ausgenommen (links der Umgriff, der im im Mai beschlossen wurde)? Hier sollte nach dem Willen der Mehrheit des Gemeinderats (und einem großen Teil der Bürgerinnen und Bürger) das Biotop und die gesamte daran anschließende wertvolle Sukzessionsfläche aus Naturschutzgesichtspunkten erhalten bleiben. Warum also geht der Vorentwurf vom beschlossenen Umgriff ab und arbeitet jetzt mit einem reduzierten Umgriff? Wo sind die - quer durch alle Fraktionen - geforderten Grünzüge im vorgesehenen Wohngebiet geblieben? Gab es wirklich genügend intensive Diskussionen, ob der Sportplatz nicht doch direkt an der Schule besser platziert wäre? Wie stellt man sich die (im Plan dargestellten) Lärmschutzmaßnahmen rund um das Gebiet vor? Was heißt das für die Anwohner gegenüber in der Riemerlinger Straße? Viele dieser Fragen kamen nicht nur vom Bürgerforum, sondern auch von der Fraktion der Grünen. Auf alle Fragen erfolgte mehr oder weniger der stereotype und nicht befriedigende Verweis auf den frühen Stand des Verfahrens, auf die noch nicht endgültig vorliegenden Gutachten, auf den späteren Bebauungsplan, in dem es dann sehr viel konkreter werde.... Die Diskussion zeigte, dass Teile des Gemeinderats mit dem vorliegenden Entwurf nicht zufrieden und der Meinung waren, er gebe nicht den Stand der Meinungsbildung wider. Der Bürgermeister schlug nun vor, eine Absichtserklärung mit zu Protokoll zu nehmen, den Erhalt der Sukzessionsfläche "in schützenswertem Umfang", zu garantieren. In der Abstimmung folgte die Mehrheit dem Bürgermeister gegen die Stimmen des Bürgerforums und einer 'grünen Stimme'.

Meine Meinung dazu: Mir drängt sich der Eindruck auf, dass sich das Projekt 'Schule mit Wohnbebauung' in ein Projekt 'Wohnbebauung mit Schule' geändert hat. Und geschützt wird nur, was wirklich geschützt werden muss. Die SZ spricht von einem ‚Klima des Misstrauens‘. Das, so schreibt die SZ weiter, sei nicht neu im Hohenbrunner Gemeinderat. Nun ja: Wer den Gemeinderat wirklich mitnehmen will in einem so wichtigen Entscheidungsprozess, der muss ihn besser informieren. Ihm Hintergrundinformationen geben, wie man zu den jetzt vorgestellten Ergebnissen gekommen ist, welche Überlegungen dahinter stehen, was verworfen wurde, etc. Das würde deutlich zur Vertrauensbildung beitragen und zeigen, dass der Gemeinderat mehr sein soll als ein Gremium, das (bereits verhandelte) Ergebnisse zur Kenntnis nimmt und abnickt. Das wiederum wäre dann wirklich neu im Hohenbrunner Gemeinderat.

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Herzlichst Ihr 

Manfred Haucke

PS: Ausführliche Informationen zu den Gemeinderatssitzungen finden Sie auf der Website des Bürgerforums